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Die älteste erhaltene Dampffördermaschine des Ruhrbergbaus

Der immense Aufschwung des Bergbaus im 19. Jahrhundert, insbesondere des Steinkohlenbergbaus, ist ohne die Dampfmaschine unvorstellbar. Eine fast unscheinbare Maschine in der Sammlung des Deutschen Bergbau-Museums Bochum steht für die Anfänge dieser Entwicklung.

 

Der gestiegene Bedarf an Kohle als Heizmaterial sowie für die Eisen- und Stahlverhüttung erforderte den Abbau von Lagerstätten hochwertigerer Kohle in immer größeren Tiefen. Dafür mussten leistungsfähige Pumpen das in diesen Tiefen stark eindringende Wasser abpumpen  – eine Aufgabe, die bis dahin verwendete Pferdegöpel oder Wasserkraftmaschinen nicht mehr leisten konnten. Erst die Dampfmaschine brachte die erforderten Leistungen. Und als es James Watt gelang, die Auf- und Abbewegung des Zylinders in konstante Drehbewegungen zu überführen, konnte sie für eine Vielzahl von Aufgaben verwendet werden, wie z. B. zur Schachtförderung, Lüfter zur Grubenbewetterung antreiben oder gekoppelt an Kompressoren und Generatoren neue Energieträgerformen wie Druckluft und Strom erzeugen.

 

Seit seiner Gründung im Jahr 1930 zeigt das Deutsche Bergbau-Museum Bochum in seiner Dauerausstellung eine Dampfmaschine aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (montan.dok 030080202001). Wann und von wem sie gebaut wurde, lässt sich nicht mehr genau feststellen. In früheren Publikationen wurden als Hersteller der westfälische Industriepionier Friedrich Harkort (1793-1880) angegeben, später die Firma Nering, Bögel und Co. in Isselburg. Jüngere Untersuchungen stellen jedoch beide Angaben in Frage.

 

Viele Details ihrer Bauart sprechen für eine Herstellung zwischen 1820 und 1850: die Umsteuerung durch Handhebel über eine Exzenterstange, ihre Bauweise mit einem stehenden Zylinder und Balancier, der komplette Verzicht auf Holz als Baumaterial sowie die Gestaltung der Säule des Balanciers in einem klassizistischen Stil. Die beiden Seiltrommeln und das zwischen ihnen und der Maschine gelegene Zahnradgetriebe wurden jedoch erst 1931 im Museum ergänzt, vermutlich, um die Dampfmaschine deutlich sichtbar als Fördermaschine zu präsentieren.

 

Die zweifelhaften Herstellerangaben und die nachträgliche Ergänzung der Seiltrommeln machen deutlich, dass die Geschichte von Museumsobjekten nicht mit der Aufnahme in eine Sammlung endet. Auch danach wird mit den Objekten weiter „gearbeitet“, werden sie verändert und umgedeutet. Vieles an ihr spricht dafür, dass sie die älteste erhaltene Dampffördermaschine des Ruhrbergbaus ist. Was sie uns darüber hinaus sagt, entscheiden letztlich alle Betrachter jeweils für sich.

 

Eine ausführliche Darstellung dieses besonderen Objektes wird Anfang 2018 im Rahmen einer umfangreichen Publikation des montan.dok unter dem Titel „Bergbausammlungen in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme“ erscheinen.

 

02. Januar 2018 (Claus Werner, MA)

 


Literatur

Matschoss, Conrad: Geschichte der Dampfmaschine: Ihre kulturelle Bedeutung, technische Entwicklung und ihre großen Männer, Hildesheim 1978.

 

Suhling, Lothar: Aufschließen, Gewinnen und Fördern. Geschichte des Bergbaus, Hamburg 1983.

 

Wagenbreth, Otfried/Wächtler, Eberhard (Hrsg.): Dampfmaschinen. Die Kolbendampfmaschine als historische Erscheinung und technisches Denkmal, Leipzig 1986.