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Bergbaugeschichte zum Nachschlagen: Heinrich Veiths Deutsches Bergwörterbuch

Die Fachsprache des Bergbaus verfügt über ein großes und für den Laien schwer verständliches Vokabular. Das war im 19. Jahrhundert nicht anders als heute. Der Jurist Heinrich Veith († 1877) veröffentlichte in den Jahren 1870/71 ein Bergwörterbuch in zwei Bänden, um dieser Situation abzuhelfen. Das Nachschlagewerk liefert Definitionen und Belegstellen aus der Fachliteratur zu allen gebräuchlichen Bergbaubegriffen. Es enthält ältere Bedeutungsschichten der Bergbausprache ebenso wie Ausdrücke für seinerzeit neue Entwicklungen. Letztere wurden für Veith im Rahmen des industriellen Aufschwungs in Deutschland ab Mitte des 19. Jahrhunderts spürbar.

 

Ursprünglich wollte der Autor des Bergwörterbuches lediglich eine systematische Übersicht für bergrechtlich relevante Begriffe zusammenstellen. Dabei wurde ihm klar, dass eine isolierte Behandlung des Bergrechts ohne Erklärungen zum Bergbau im Allgemeinen schnell auf Verständnisschwierigkeiten stoßen würde. Deswegen entschied er sich dafür, den gesamten Wortschatz des Bergbaus zu erschließen. Als Quellen und Belegstellen zog er 140 Fachzeitschriften, Lehrbücher, Lexika und Rechtstexte heran. Dazu zählen neben den „Gründungsdokumenten“ der Bergbaukunde seiner frühneuzeitlichen Vorgänger wie Rülein von Calw (1465-1523) und Georgius Agricola (1494-1555) auch allgemeine Nachschlagewerke wie das Deutsche Wörterbuch der Brüder Jacob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859).

 

Von den über 4000 Stichwörtern sind fast 300 im Wörterbuch als veraltet gekennzeichnet und geben damit einen Hinweis auf den Entwicklungsstand, den der Bergbau um 1870 erreicht hatte. So wurde eine Wasserhebemaschine mit an einer Kette hängenden Eimern, die im Umlaufbetrieb das Grubenwasser an die Oberfläche transportieren, die so genannte Paternosterkunst, als veraltet gekennzeichnet.

 

Der Ausdruck „Maschine“ taucht in einigen Literaturbelegen auf und kann als Anzeichen für die Verdrängung der älteren Bezeichnung „Kunst“ wie in der genannten Paternosterkunst oder der Fahrkunst für den Transport von Personen unter Tage aufgefasst werden. Aus dem „Kunstmeister“ wurde entsprechend der „Maschinenmeister“.

 

Von Druckluft oder Elektrizität als Energiequelle für die Bergtechnik ist im Bergwörterbuch noch nicht die Rede. Über druckluftgetriebene Bohrmaschinen erfährt man demnach nichts. Dem Stichwort „Bohren und Schießen“ kann man entnehmen, dass dem Autor lediglich die Arbeit mit dem Handbohrer zur Herstellung der Sprenglöcher und Sprengpulver zur Erweiterung des Grubenbaus bekannt waren. Auch unter „Grubenlicht“ findet sich neben der offenen Grubenlampe lediglich die mit einem Brennstoff wie Benzin oder Acetylen betriebene Sicherheitslampe, deren spezielle Konstruktion mit einem feinen Drahtgewebe die Entzündung von Grubengas verhindern sollte.

 

Der Kohlenbergbau, der sich erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts zum Leitsektor entwickelte, findet noch wenig Beachtung. Das Wort „Kohle“ ist aber schon als Verb mit dem Eintrag „abkohlen“ als Bezeichnung für den Abbau des fossilen Energieträgers vertreten.

 

Ein Exemplar des Deutschen Bergewörterbuches von Heinrich Veith von 1871 befindet sich in der Bibliothek des Montanhistorischen Dokumentationszentrums beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum. Im Rahmen des Projekts „montan.dok 21“ werden wichtige Objekte aus den hier gepflegten Museums-, Bibliotheks- und Archivbeständen vorgestellt. Das an sich unscheinbare Wörterbuch ist nicht nur aufgrund seines Alters von Interesse, es ist auch bei Klärung terminologischer Fragen zum Bergbau im 19. Jahrhundert eine wichtige Referenz für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des montan.dok.

 

05. Mai 2020 (BRO)

 


Literatur

Heilfurth, Dietmar: Die deutsche Bergbausprache vor und nach der industriellen Revolution, in: Der Anschnitt 29, 1977, S. 132-141.

 

Veith, Heinrich: Deutsches Bergwörterbuch mit Belegen, Breslau 1871.