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Der Adel zu Besuch im Bergwerk

Wenngleich man den Bergbau allgemein eher mit schwerer Arbeit und Schmutz als mit Prunk und Gloria in Verbindung bringt, so gab es durchaus Anlässe, zu denen der Bergbau sich herausputzte. Für die Bergleute bedeutete dies in erster Linie das Tragen einer Paradeuniform, geziert mit verschiedenen Attributen, darunter das so genannte Häckel oder die so genannte Bergbarte.

 

Die Häckel und Barten waren teils schlicht gehalten, teils aber auch verziert und aus edlen Materialien hergestellt, oftmals von den Bergleuten selbst oder als Geschenk für Jubilare angefertigt. Das Häckel, auch Fahrstock oder Steigerstock genannt, war in den Bergbaurevieren weit verbreitet und geht auf den Gebrauch unter Tage zur Gebirge- und Ausbauprüfung durch den Steiger zurück. Das Werkzeug wird auch heute noch von Bergleuten bei Bergparaden getragen.

 

Die Geschichte der Bergbarte ist noch nicht abschließend erforscht. Hervorgegangen ist sie aus einer Streitaxt, da die mittelalterlichen Bergleute das Privileg besaßen, eine Waffe tragen zu dürfen. Die Verwendung der Bergbarte als Paradewaffe ist vor allem typisch für das sächsische Bergrevier. Zu den ganz besonderen Anlässen, zu denen Barten getragen wurden, zählten Besuche adeliger Bergherren bzw. Bergregaleigentümer, wie beispielsweise jener der Kaiserin und tschechischen Königin Elizabeth Kristina in Karlsbad 1721, zu dem eine große bergmännische Feier organisiert wurde.

 

Eine besonders prunkvolle Barte, die sich in den Musealen Sammlungen des Montanhistorischen Dokumentationszentrums (montan.dok) befindet, wurde jedoch nicht von einem hohen Bergbeamten getragen. Sie war Bestandteil eines kostbaren Geschenks an die Habsburger Kronprinzen, die bei ihrem Besuch der slowakischen Bergstadt Schemnitz (Bánská Štiavnica) im Jahre 1764 die Grubenarbeiten und die Leitung der Gruben kennenlernen sollten. Dafür wurden sogar Straßen und Wege sowie einzelne Grubengebäude und Hüttenwerke renoviert. Bei dem feierlichen Empfang übergaben Vertreter der Bergherrschaft und Repräsentanten der Stadt den Prinzen Gold- und Silbererzstücke auf vergoldeten und versilberten Tragbaren als Begrüßungsgeschenk.

 

Für die Befahrung der dortigen Erzbergwerke überreichten die Bergleute den Söhnen von Kaiserin Maria Theresia (1717-1780), dem Thronfolger Josef II. (1741-1790) und seinem jüngeren Bruder Erzherzog Leopold I. (1747-1792), kostbare, als Prunkgewänder gestaltete Bergkittel als Zeichen ihres Berufsstandes. Das Geschenk bestand aus einem langen Fahrmantel aus Brokat, einer aus grünem Samt hergestellten Mooskappe sowie einer kunstvoll geschmückten Barte. Letztere besteht aus einem Blatt aus Stahl und einem Helm (Stiel) aus Bein. Das reichlich verzierte Helm ist an dem Blatt durch ein nicht bis zur Oberseite durchgehendes Öhr im Blatt behelmt (eingestielt). Das Blatt besitzt an der Oberseite zwei Stufen und eine beilförmige geschliffene Schneide. Im Zentrum ist das Blatt kreuzförmig gelocht. Das Helm besteht aus vier verbundenen Teilstücken und einem verschraubten, mit einer Kugel aus Bein versehenen deckelförmigen Abschluss. Der oberste Teil des Helms zeigt zwei Szenen: Oben zwei betende Bergleute, unten zwei Hauer bei der Arbeit, darunter sind zwei Markscheider zu sehen. Der dritte Teil ist spiralförmig gestaltet und zeigt einen Lorbeerkranz mit einem zentralen, gekrönten Wappenschild mit dem Bergbausymbol Schlägel und Eisen.

 

Das Prunkobjekt gelangte 2005 durch einen Ankauf in die Musealen Sammlungen des montan.dok und kann seit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung des Deutschen Bergbau-Museums Bochum im Rundgang „Bergbau. Steinzeit mit Zukunft“ besichtigt werden. Der gesamte Bestand der Häckel und Barten wird im Zuge des Projektes „montan.dok 21“ aufgearbeitet. Bei der hier vorgestellten Barte stammen die Informationen zur Objektgeschichte aus den Zugangsunterlagen selbst. Ein maschinenschriftlicher Text ohne Angaben zu Autor und Datum gibt Auskunft über das Ereignis in Schemnitz, wobei er sich auf Protokolle des Magistrats der Stadt Schemnitz und das Tagebuch des Prinzen Leopold bezieht. Anschaulich beschreibt Leopold in seinem Tagebuch den Besuch in den dortigen Erzbergwerken. Bei einer tiefergehenden Objektforschung, für die das Projekt „montan.dok 21“ mit der Aufarbeitung der Bestände eine gute Grundlage schaffen soll, könnte sich auch der Blick in die erwähnten Protokolle lohnen, um vielleicht noch Näheres über die Barten zu erfahren.

 

01. Oktober 2020 (Maren Vossenkuhl)

 


Literatur

Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum 030005837001

 

Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum; maschinenschriftliches Manuskript (o. A.) in der Objektdokumentation zu montan.dok 030005837001

 

Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum/Bergbau-Archiv Bochum (BBA) 112/2213

 

Saarbergwerke AG (Hrsg.): 125 Jahre Saarbrücker Bergmannskalender, Saarbrücken 1998.

 

Vozár, Jozef: Das Tagebuch des Erzherzogs Leopold von der Reise in die mittelslowakischen Bergstädte, Martin 1990.