Skip to main content

Fund des Monats: Eine Top 10 der Werbestrategien im Bergbau

Wir sind von Werbung umgeben. Warum sollte man gezielt sammeln, was sich ohnehin pausenlos aufdrängt? Als Quellenmaterial für Historiker bietet Werbung ein reichhaltiges Untersuchungsfeld. Neben ihrem Wert für die Forschung wirkt sie zugleich manchmal einfach kreativ, komisch, kurios, gar befremdlich. Lernen Sie die Sammlung Firmenprospekte im Montanhistorischen Dokumentationszentrum (montan.dok)  anhand unserer Top 10 der historischen Werbestrategien im Bergbau kennen.

 

10. In einem Land vor unserer Zeit…

 

Die Sumpfwälder aus der Entstehungszeit der Kohle sind ein wiederkehrendes Motiv in den Werbeschriften der Bergbauindustrie. Mit Illustrationen von Farnen, Schachtelhalmen und Schuppenbäumen wird auf den Ursprung und die Entstehung des Energieträgers hingewiesen. Informative Texte erläutern die Inkohlung, welche von den Pflanzen unter Einfluss von Wärme und Druck über Millionen von Jahren bis hin zu den verschiedenen Kohlenarten führte. Auch gerne gesehen sind Fotos von Torf, Braun- und Steinkohle mit und ohne Pflanzenfossilien.

 

 

9. Safety First!

 

Dass die Arbeitssicherheit im Bergbau eine große Rolle spielt und sich auch in den Werbeprospekten wiederfindet, wird keine große Verwunderung hervorrufen. Messgeräte zur Feststellung des Methangehalts unter Tage werden ebenso beworben wie Löschmittel und Schutzkleidung. Der hier ausgewählte Katalog für Warnschilder könnte mit der Abbildung eines menschlichen Schädels und dem erhobenen Zeigefinger einer skelettierten Hand kaum drastischer ausfallen.

 

8. Ziemlich grell

 

Leuchtende Farben erwecken Aufmerksamkeit. Dieses Phänomen wurde auch schon in den 1920er-Jahren von Bergbauzulieferern genutzt, um Aufbereitungsanlagen und Pumpen anzupreisen. Auch in jüngerer Zeit wurden die Flotationsreagenzien von Hoechst in knalligem Pink präsentiert.

 

7. Sex sells

 

Ein Model mit einem Presslufthammer abzubilden, mag in der hohen Schule der Werbung nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber die entsprechenden Prospekte haben sicher ihre Abnehmer gefunden und zieren vermutlich noch heute manchen Spint oder Büroschrank.

 

6. Tradition verpflichtet

 

Zwischen den Werbeprospekten finden sich Chroniken, Veröffentlichungen mit Fotos von Firmengründern und historischen Betriebsgebäuden sowie Produktgeschichten. Die Unternehmenshistorie spielt vielfach eine wichtige Rolle in der Kommunikationsstrategie. Der Historiker wird die unternehmenseigene Geschichtsschreibung einer kritischen Prüfung unterziehen. Es darf manches Mal bezweifelt werden, ob diese frei von geschichtspolitischen Hintergedanken verfasst worden ist. Etwas Besonderes hatte man sich bei Westfalia Lünen zum 150-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 1976 ausgedacht: Der Festschrift wurde eine Schallplatte mit deutschen Bergmannsliedern beigelegt. Darauf durfte selbstredend das Steigerlied nicht fehlen.

 

5. Industriearchitektur

 

Die Silhouetten von Industrieanlagen können für das Stadtbild sehr prägend sein. Manchmal entwickeln sie sich schlechterdings zu Wahrzeichen. Dieser Wiedererkennungswert wird auch in Werbeschriften genutzt. Es muss aber nicht immer ein Foto sein, wie die Zechenmotive auf den Illustrationen der Westfälischen Union zeigen.

 

4. Logo!

 

Zentrales Element jeder Unternehmenskommunikation ist die Verwendung eines Logos. Wie eine Sonne geht das große Logo der Gutehoffnungshütte Oberhausen-Rheinland hinter den rauchenden Schloten einer Industrieanlage auf. Oder ist es der untergehende Mond? Man könnte meinen, die Abgase hätten den Himmel so sehr verdunkelt, dass eine Entscheidung kaum möglich ist. Ob eine solche Werbung noch heute dazu angetan wäre, die Popularität des Hüttenbetriebs zu steigern, darf bezweifelt werden.

 

3. Der Mensch

 

Auf dem dritten Platz befinden sich die Prospekte mit Fotos von Bergleuten. Obwohl die Prospektsammlung schwerpunktmäßig technische Abbildungen zu bieten hat, fallen doch einige Aufnahmen von Mitarbeitern auf. Sie scheinen häufig nur als Beiwerk zu dienen oder zum Größenvergleich mit einer Maschine herangezogen worden zu sein. Porträts wie das eines Bergmanns mit Kopflampe auf der Mappe der Firma Klöckner Becorit bilden eher die Ausnahme.

 

2. Vorsprung durch Technik

 

Hersteller von Bergtechnik müssen durch Innovationen auf ihren Spezialgebieten punkten. Die Markteinführung neuer Maschinen wird durch entsprechendes Werbematerial begleitet. Dabei war der Übergang von der Teil- zur Vollmechanisierung ein wichtiger Schritt, den man bei Eickhoff eigens in einem Prospekt für Schrämmaschinen thematisierte.

 

1. Die Maschine im Mittelpunkt

 

Daran kommt man nicht vorbei: die Bergtechnik ist das zentrale Thema in der Sammlung Firmenprospekte. Die Abbauhämmer, Schrämlader und Förderrinnen werden fotografiert, gezeichnet und beschrieben. Tabellen klären über die wichtigsten Leistungsdaten auf.

 

Die Chronik von Westfalia Lünen und das Model mit dem Bohrhammer von der Gebr. Böhler & Co. AG stammen aus der Bibliothek des Montanhistorischen Dokumentationszentrums. Alle anderen Werbemittel gehören zur Sammlung Firmenprospekte. Diese enthält Produktblätter, Kataloge, Handbücher und Gebrauchsanweisungen von ca. 2000 Unternehmen der Bergbauzulieferindustrie. Ihre Erschließung im Rahmen des Projekts „montan.dok 21 ermöglicht sowohl eine gezielte Auswertung der Publikationen in ihrer Funktion als Werbemittel als auch im Hinblick auf technische Eigenschaften und bildliche Repräsentation der Produkte. Zudem wird durch die Verzeichnung eine Grundlage für die Objektdokumentation und -forschung geschaffen.

 

07. Februar 2019 (Jens Brokfeld, M.A.)

 


Literatur

Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum/Bergbau-Archiv Bochum (BBA) FP