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Ein fossiles Bärlappgewächs der Superlative

Wer den Rundgang „Steinkohle. Motor der Industrialisierung“ im Deutschen Bergbau-Museum Bochum betritt, wird von einem Riesenfossil begrüßt. Der Wurzelstock eines Bärlappgewächses aus der Karbonzeit ist 2,5 m hoch, 7 t schwer und nimmt eine Fläche von über 20 ein. Als Vertreter der Pflanzenwelt vor rund 300 Millionen Jahren, welche die Grundlage für die Entstehung der Steinkohle bildete, beeindruckt er nicht nur heute die Besucherinnen und Besucher. Schon als der Wurzelstock 1938 nach Bochum kam, sorgte er für Aufsehen unter den Experten.

 

Prof. Dr. Paul Kukuk, Leiter der Geologischen Abteilung der Westfälischen Berggewerkschaftskasse Bochum, akquirierte das Fossil für das Geologische Museum des Ruhrbergbaues in der Bergschule an der Herner Straße. Der Baumstumpf für Bochum stammt von der Zeche Piesberg bei Osnabrück. Während es zu zwei anderen fossilen Wurzelstöcken aus dem 1889 stillgelegten Steinkohlenbergwerk ausführlichere Berichte über Lage, Funddatum und Umstände der Bergung gibt, ist über das Bochumer Exemplar wenig bekannt. Die anderen Baumstümpfe wurden zusammen mit zwei weiteren in den Jahren 1884 bis 1886 aus dem Bergwerk geborgen und im Lichthof der Preußischen Geologischen Landesanstalt in Berlin respektive vor dem alten Osnabrücker Museum aufgestellt.

 

In seinem Bericht für die Fachzeitschrift „Glückauf“ trägt Paul Kukuk seine Kenntnisse über den Fund zusammen und vermerkt nicht ohne Stolz, dass der Bochumer Baumstumpf in Bezug auf seinen Erhaltungszustand und seine Größe dem Berliner „gleichkommt, wenn nicht ihn übertrifft“ (vgl. auch im Folgenden Glückauf 75, 1939, S. 793). Der Geologe wurde durch den Sohn des damaligen Leiters des Osnabrücker Stahlwerkes auf das Pflanzenfossil aufmerksam. Dessen Vater hatte es nach Kauf des stillgelegten Bergwerks Piesberg aus der Grube schaffen und in einer Art Privatmuseum aufstellen lassen – einem Gebäude in seinem Garten, das für die Errichtung eines „künstlichen“ Bergwerks gebaut worden war. Dort stand das Fossil bis zu seiner Überführung in das Geologische Museum des Ruhrbergbaues im Jahr 1938, ohne größere Aufmerksamkeit zu erregen.

 

Neben Angaben von Dr. Haarmann, dem Sohn des Vorbesitzers, sprechen laut Paul Kukuk übereinstimmende Merkmale mit den schon bekannten Stammresten dafür, dass das Bochumer Bärlappgewächs wie die anderen beiden Baumstümpfe aus dem Flöz Zweibänke der Zeche Piesberg stammt. Auch sei man seit langem über das Vorkommen vergleichbarer Stammreste an der Fundstelle informiert. Bei der Bestimmung der Art der karbonzeitlichen Pflanze möchte sich der Wissenschaftler unter Berücksichtigung der äußeren Kennzeichen wie der Stammoberfläche nicht über eine Zuordnung in die Gruppe der Bärlappgewächse hinaus festlegen. Leider sei die Außenhaut durch die Bergung aus der Grube und die Zerlegung in Einzelteile stark beansprucht worden. Ein Bestimmungsversuch mit aktuellen Analysetechniken steht auch heute noch aus.

 

1974 begann das Geologische Museum des Ruhrbergbaues seinen Umzug in die Räumlichkeiten des damaligen Bergbau-Museums Bochum. In diesem Rahmen wurde auch der Wurzelstock (montan.dok 060003196001) an seinem damaligen Bestimmungsort aufgebaut. Für die im Juli 2019 in Gänze eröffnete neue Dauerausstellung wurde er nochmals zerlegt und professionell präpariert. Dort ist er Bestandteil des Rundgangs „Steinkohle. Motor der Industrialisierung“.

 

Die Aufarbeitung der Geologischen Sammlung gehört nicht zum Projekt „montan.dok 21“.  Mit kleinen Artikeln zu einigen zentralen Exponaten, wie für das Gemälde einer Waldsumpfmoorlandschaft im Karbonzeitalter bereits geschehen, wird aber auch diese lohnenswerte Facette der Sammlungsgeschichte im Rahmen des „Objekts des Monats“ gewürdigt.

 

04. November 2019 (BRO)

 


Literatur

Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum 060003196001

 

Geologische Abteilung der Westfälischen Berggewerkschaftskasse zu Bochum (Hrsg.): Aus dem Geologischen Museum des Ruhrbergbaues, Bochum 1951.

 

Kukuk, Paul: Ein Riesenfossil aus dem Karbon des Piesbergs, in: Glückauf 75, 1939, S. 793-797.

 

Potonié, Henry: Das größte carbonische Pflanzenfossil des Europäischen Continents, in: Naturwissenschaftliche Wochenschrift 7, 1892, S. 337-343.

 

WBK Bochum (Hrsg.): Verwaltungsbericht der Westfälischen Berggewerkschaftskasse zu Bochum für die Zeit vom 1. April 1938 bis 31. Dezember 1938, Bochum 1939.

 

WBK Bochum (Hrsg.): Jahresbericht 1974, Bochum 1975.