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Fund des Monats: Licht ins Dunkle bringen – Intensive Nachforschungen zu einer Grubenlampe im Deutschen Bergbau-Museum Bochum

Im Jahr 1968 bestanden über die technischen Details einer gerade für das damalige Bergbau-Museum erworbenen Benzinwetterlampe kaum Zweifel bei den Verantwortlichen, aber wann wurde sie gebaut und in welchem Zeitraum kam sie zum Einsatz? Die Beantwortung dieser Fragen war und ist wichtiger Bestandteil der Objektdokumentation und musste dringend geklärt werden.

 

Julius Raub, der Kustos des Museums, verfasste am 28. Juni 1968 einen Aktenvermerk mit einer genauen Beschreibung zur „Benzinwetterlampe mit Schutzzylinder über den Drahtkörben, Magnetverschluß, Cereisenzündung und Löschvorrichtung“. Dieser Vermerk befindet sich im Bestand 112: Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Bochum, der im Bergbau-Archiv Bochum verwahrt wird (montan.dok/BBA 112/945). Der nüchternen Auflistung des Aufbaus und der Funktionsweise der Lampe folgt der Hinweis: „Die Lampe weicht in so vielen Beziehungen von den uns bekannten Typen ab, daß sie es verdient, ausgestellt zu werden.“ Der Kustos war offenkundig begeistert von der Neuerwerbung. Nur einige Tage zuvor hatte ein Tausch mit Oberbergrat Heinz-Adolf Schlesinger stattgefunden: Der Direktor der Bergschule Hamborn und Leiter der Oberklasse der Bergschule Bochum tauschte seine Benzinwetterlampe Bauart Protector Type 6 gegen eine Westfälische Froschlampe aus den Musealen Sammlungen.

 

Raub schlug vor, zu ermitteln, ob die Herstellerfirma noch bestehe, um das fehlende Baujahr und den Anwendungszeitraum des neuen Objektes zu erfahren. Der Museumsdirektor, Bergassessor a. D. Hans Günter Conrad, wies auch prompt laut handschriftlichem Vermerk weitere Nachforschungen an. Zunächst sollte Raub sich an die Firma Friemann & Wolf telefonisch wenden. Hier hoffte Conrad offensichtlich, nähere Informationen zur Herstellerfirma zu bekommen. Bei dem Grubenlampenhersteller Friemann & Wolf war man sich aber nicht sicher, ob die Firma Lamp and Lighting Co. noch besteht. Das Bergbau-Museum schrieb schließlich nach Großbritannien und auf eine weitere Nachfrage antwortete dann die Firma The Wolf Safety Lamp Co. Ltd. Hier riet man, sich an The Protector Lamp & Lighting Co. Ltd., Eccles, Manchester selbst zu wenden, um die gewünschten Auskünfte zu erhalten. Nachdem auf diese Weise die weitere Existenz und die Anschrift des Herstellers der Grubenlampe geklärt waren, schrieb Conrad nach Eccles mit der Bitte um Angabe von Baujahr und Anwendungszeit sowie Anwendungsraum der „Mining Safety Lamp of type 6 […] approved by the Ministry of Power“. Zudem bat er um Prospekte und auch um Informationen zur Abnahme der Lampe durch das entsprechende Ministerium.

 

F. A. Palmer schrieb am 05. Februar 1969 zurück und teilte mit, dass die Type 6-Lampe zuerst 1936 gefertigt worden sei, noch aktuell produziert werde, und bis vor kurzem in beträchtlichem Ausmaße in Großbritannien und in Übersee genutzt worden sei. Zudem schickte Palmer eine Broschüre, die die Lampe detailliert beschreibt. Damit waren allen nötigen Fragen geklärt und wurden auf der entsprechenden Karteikarte vermerkt. Die Broschüre sollte ebenfalls aufgenommen werden, wie Conrad seinem Mitarbeiter Fritz Jörg Miekley, der u. a. für die Bibliothek des Bergbau-Museums zuständig war, auftrug. Dieser übergab die Broschüre an Wilhelm Kitscha, Techniker im Bergbau-Museum, für den Prospektschrank. Die Broschüre ist bis heute erhalten geblieben und Teil der archivischen Spezialsammlung FP: Firmenprospekte.

 

Mit den Informationen aus England stellte sich heraus, dass die Grubenlampe keine Rarität ist, vielmehr eine häufig benutzte Benzinsicherheitslampe. Sie gilt als eines der wichtigsten Produkte der 1873 gegründeten Firma Protector Lamp & Lighting Co. Noch heute ist sie Teil der Musealen Sammlungen, die zusammen mit dem Bergbau-Archiv Bochum sowie der Bibliothek und Fotothek im Montanhistorsichen Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum vereint sind. Das intensive Bemühen um eine umfassende Objektdokumentation, die sich am Beispiel der Protector Lampe gut nachverfolgen lässt, wird nach wie vor im montan.dok großgeschrieben. Das Projekt „montan.dok 21“, in dessen Rahmen auch die beiden genannten Archivbestände aufgearbeitet werden, möchte einen Beitrag dazu leisten und auch für eine zukünftige Objektforschung wichtige Grundlagen bieten.

 

02. Januar 2019 (Dr. Maria Schäpers)

 


Literatur

Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum/Bergbau-Archiv Bochum (BBA) 112/945 und FP 968/1

 

Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum 031401450000

 

Barrie, David: The Wand of Science. A History of the British Flame Safety Lamp, Birmingham 2006. Website der Firma: https://www.protectorlamp.com/