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Fund des Monats: Nappian und Neucke

Luthers Geburtshaus und das Deutsche Bergbau-Museum Bochum

 

Man würde kaum das Geburtshaus des Reformators Martin Luther in Eisleben mit dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum in Verbindung bringen, wären da nicht Nappian und Neucke.

 

Nappian und Neucke werden das erste Mal im 16. Jahrhundert schriftlich als Begründer der Kupfererzgewinnung im Mansfelder Gebiet im Jahr 1199 in der Mansfeldischen Chronica von Cyriacus Spangenberg erwähnt. Die dürren Sätze der Chronik werden in der Sage, die sich um die beiden Bergleute rankt, zu einer abenteuerlichen Geschichte: Beide Männer kamen aus dem Harz auf der Suche nach Arbeit in die Nähe von Hettstedt und wurden dort in den Wäldern von Räubern überfallen; einer von ihnen wurde dabei verletzt und fand Aufnahme bei einem Köhler und seiner Tochter. Der andere entdeckte, als er demselben Köhler bei der Arbeit half, Erz. Zusammen mit seinem wieder genesenen Freund fing er an, Kupfer in dieser Gegend abzubauen.

 

Kupfer dürfte schon in der Bronzezeit im Mansfelder Land gewonnen worden sein, der planmäßige Abbau begann dann offenkundig Ende des 12. Jahrhunderts. Die beiden mit dem Beginn dieser Gewinnung in Verbindung gebrachten Männer erscheinen aber nicht nur in geschichtlichen Abhandlungen und Sagenerzählungen, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes in Stein gemeißelt. Bis heute haben sich zwei mittelalterliche Steinfiguren erhalten; Inschriften weisen die Figuren als Nappian und Neucke aus. Laut einer Nachricht aus dem 18. Jahrhundert, wurden die ursprünglichen Buchstaben durch die heutigen an den Stirnflächen befindlichen Lettern ersetzt. Sie könnten als Konsolfiguren, als Schlusssteine oder in anderer Form in einer 1290 errichteten Kapelle am Welfesholz nahe Hettstedt gedient haben. Vielleicht stammen sie aber auch erst aus einem gut 70 Jahre späteren Nachfolgebau. Die Darstellung der beiden Männer gibt einen Eindruck von Kleidung und Werkzeug des zeitgenössischen Bergbaus. Die liegende und gedrungene Haltung der Figuren ist kennzeichnend für die Arbeit im niedrigen Streb. Die Figuren sind damit eine wichtige Quelle für den Bergbau in damaliger Zeit und gelten zudem als erste bergmännische Skulpturen aus dem Mittelalter. Kein Wunder also, dass sie in Form von zwei Abgüssen seit den 1950er-Jahren im Deutschen Bergbau-Museum Bochum einen festen Platz in der Ausstellung bekamen.

 

Im Bestand 112: Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Bochum finden sich drei Schreiben die Figuren betreffend. Ende 1973 und Anfang 1974 schrieb der Museumsmitarbeiter Dr. Werner Kroker an das VEB Mansfeld Kombinat mit der Bitte um Auskunft über den Verbleib der beiden Originalfiguren. In Bochum war man gerade dabei, die Abteilung „Bergbau in Kunst und Kultur“ „gänzlich um[zu]gestalten“ und wünschte dafür, den Standort der Originale exakt angeben zu können. Die letzte Information im Museum über den Verbleib war aber das Werksmuseum der Mansfeld AG in Eisleben. Im März 1974 kam endlich die ersehnte Nachricht aus Eisleben, „daß die beiden Figuren ‚Nappian und Neucke‘ in dem Museum der Lutherstadt Eisleben, Abteilung Bergbau ausgestellt sind und dort ihren ständigen Standort haben“.

 

Noch anlässlich der Ausstellung „Martin Luther und der Bergbau im Mansfelder Land“ im Jahr 2000, wurden die beiden Figuren dort in Eisleben präsentiert. Heute, ein paar Straßen weiter, werden Nappian und Neucke im Geburtshaus Luthers der interessierten Öffentlichkeit gezeigt. Die beiden erinnern damit an den Bergbau, der Luthers Vater ins Mansfelder Land führte.

 

Die oben genannten Schreiben zeigen nicht nur die Wichtigkeit, die man in den 1970er-Jahren in Bochum den Figuren Nappian und Neucke noch immer beimaß, sondern auch das Bemühen der Verantwortlichen, dem Besucher eine stets aktuelle Ausstellung zu präsentieren. Auch derzeit befindet sich das Museum mit Umbaumaßnahmen und der Umgestaltung der Dauerstellung wieder im Umbruch. Nappian und Neucke sind für die Zeit der Arbeiten, wie die anderen Ausstellungsstücke, sicher verwahrt. Anhand des Beispiels der zwei Figuren wird deutlich, welche interessanten Informationen es innerhalb des Bestandes 112 die Sammlungsgeschichte und Entwicklung der Ausstellung des Museums betreffend zu entdecken gibt. Durch die archivische Aufbereitung des Bestandes 112 im Rahmen des Projektes „montan.dok 21“ werden derlei Informationen zukünftig leichter recherchierbar sein.

 

04. Dezember 2017 (Dr. des. Maria Schäpers)

 


Literatur

Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum/Bergbau-Archiv (BBA) 112/870

 

Heilfurth, Gerhard: Der Bergbau und seine Kultur. Eine Welt zwischen Dunkel und Licht, Zürich 1981. Langelüttich, Hans-Joachim: Der historische Kupferschieferbergbau um Hettstedt, Hettstedt 1989 (= Schriften des Mansfeld-Museums, Nr. 2).

 

Mirsch, Rudolf/Rommel, Ludwig: Nappian und Neucke – Die legendären Begründer des Mansfelder Bergbaus als steinerne Zeugen, in: Der Anschnitt 2003, 55, S. 236-238.

 

Slotta, Rainer: Die Dauerausstellungen, in: Ders. (Hrsg.): 75 Jahre Deutsches Bergbau-Museum Bochum (1930 bis 2005). Vom Wachsen und Werden eines Museums, Band 2, Bochum 2005 (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr. 134), S. 613-748.

 

Slotta, Rainer/Müller, Siegfried: Zum Bergbau auf Kupferschiefer im Mansfelder Land, in: Knape, Rosemarie (Hrsg.): Martin Luther und der Bergbau im Mansfelder Land. Aufsätze, Lutherstadt Eisleben 2000 (= Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Nr. 7), S. 9-28.

 

Spangenberg, Cyriacus: Mansfeldische Chronica, Eisleben 1572. Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Luthers Geburtshaus: https://www.martinluther.de/de/besuch/museen/luthers-geburtshaus (07.11.2017).

 

Treu, Martin: »...von daher bin ich.« Martin Luther und der Bergbau im Mansfelder Land. Rundgang durch die Ausstellung, Lutherstadt Eisleben 2000 (= Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt; H. 7).