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Von Akkus und Grubenlokomotiven

Eisenbahnfreunden mit einem Interesse für den Bergbau wird das Objekt des Monats aus der archivischen Spezialsammlung Firmenprospekte im Montanhistorischen Dokumentationszentrum (montan.dok) einen zweiten Blick wert sein: Der vermutlich aus dem Jahr 1953 stammende Werbeprospekt für Batterien zum Antrieb von Grubenlokomotiven zeigt eine elektrische Grubenbahn bei der Fahrt im Bergwerk.

 

Der Werbetext auf der Rückseite des Prospekts klärt über die Bauart von Akkumulator-Grubenlokomotiven auf. Er zeigt Fotos unterschiedlicher Modelle  von den ersten Versuchen über Strecken-Lokomotiven in besonders niedriger Bauart bis zu Verbundlokomotiven, die den Strom sowohl aus einer Oberleitung als auch aus einer Batterie beziehen können.

 

Die Hersteller für die zum Antrieb der Lokomotiven benötigten Akkumulatoren sind die 1962 in Varta AG umbenannte Akkumulatoren-Fabrik AG (AFA) sowie ihre Tochtergesellschaft, die Deutsche Edison-Akkumulatoren-Company (DEAC). Die Entwicklung von schmalspurigen elektrischen Bahnen für Gruben, Hüttenwerke, Ziegeleien, Steinbrüche und verwandte Betriebe wurde zudem schon seit ihrem Beginn von der Elektromontana GmbH beeinflusst. Der 1906 von der AFA gemeinsam mit den Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerken und der Gesellschaft für elektrische Unternehmungen (Gesfürel) gegründete Hersteller für elektrische Lokomotiven wurde nach Ausscheiden der beiden Gründungspartner zu einer vollständigen Tochtergesellschaft der AFA.

 

Die ersten Versuche zur Ausrüstung von Grubenlokomotiven mit Akkumulatoren gehen auf das Jahr 1892 zurück. Der weltweit erste Einsatz einer elektrischen Grubenlokomotive ist hingegen schon für das Jahr 1882 belegt. Zu diesem Zeitpunkt wurde eine Fahrdrahtlokomotive der Firma Siemens & Halske im sächsischen Steinkohlenbergwerk Zauckerode in Betrieb genommen.

 

Für beide frühen Entwicklungsstufen der elektrischen Lokomotive gilt allerdings, dass sie den Anforderungen des Bergwerksbetriebs noch nicht vollständig gewachsen waren. So waren im Fall der auch als „Dorothea“ bezeichneten ersten elektrischen Grubenlokomotive neben der ungenügenden Widerstandsfähigkeit der Isolation gegen Schmutz und Feuchtigkeit auch Sicherheit und Leistungsfähigkeit mangelhaft. Bei den Akkumulatorlokomotiven stand man ebenfalls vor technischen Herausforderungen. Hier wurde am Schutz der Batterien vor mechanischen und elektrischen Stößen gearbeitet. Bemerkenswert ist trotz der Schwierigkeiten jedoch, dass „Dorothea“ bis zum Erliegen des Oppelschachtes im Jahr 1927 in Betrieb war.

 

Gleichfalls wurde die Leistungsfähigkeit in den auf die ersten Versuche folgenden Jahrzehnten gesteigert. So war man von der sechs PS starken ersten Grubenlokomotive aus dem Jahr 1882 Anfang der 1950er Jahren bei etwa 70 PS angekommen. Der Einsatz von Fahrdrahtlokomotiven blieb wegen Schwierigkeiten mit dem Schlagwetterschutz auf Hauptstrecken beschränkt, aber hier fanden sie große Verbreitung. Die Akkumulatorlokomotiven wurden aufgrund ihrer Eignung für Schlagwettergruben vorwiegend auf Abbaustrecken eingesetzt.

 

Der Werbeprospekt stammt aus der „Sammlung Firmenprospekte“, die Produktblätter, Kataloge, Handbücher und Gebrauchsanweisungen von ca. 2000 Unternehmen der Bergbauzulieferindustrie enthält. Die Erschließung im Rahmen des Projekts montan.dok 21 ermöglicht sowohl eine gezielte Auswertung der Publikationen in ihrer Funktion als Werbemittel als auch im Hinblick auf technische Eigenschaften und bildliche Repräsentation der Produkte. Zudem wird durch die Verzeichnung eine Grundlage für die Objektdokumentation und -forschung geschaffen.

 

01.03.2018 (BRO)

 

 


Literatur

Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum/Bergbau-Archiv (BBA) FP 5/1

 

40 Jahre Akkumulator-Lokomotiven unter Tage, in: Technische Blätter. Wochenschrift der Deutschen Bergwerks-Zeitung 24, 1933, S. 326.

 

Farrenkopf, Michael/Przigoda, Stefan: Die verzögerte Elektrifizierung. Zur Geschichte der Elektrizitätsnutzung im Ruhrbergbau, in: Döring, Peter/Horstmann, Theo (Hrsg.): Revier unter Strom. Fotografien zur Elektrizitätsgeschichte des Ruhrgebiets, Essen 2010, S. 38-51.

 

Hoffmann, C.: Lehrbuch der Bergwerksmaschinen, Berlin 1956.

 

Nadolny, Burkhard/Treue, Wilhelm: VARTA. Ein Unternehmen der Quandt-Gruppe 1888-1963, München 1964.

 

Philippi, Wilhelm: Die Entwicklung der Elektrizitätsverwendung im Bergbau, in: VDI-Beiträge zur Geschichte der Technik 18, 1928, S. 19-36.

 

Schmidt, Günter: Dorothea. Die erste elektrische Grubenlokomotive der Welt, in: Museumkurier 20, 2007, S. 28.