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Weihnachten im Museum

Reich geschmückt zeigen sich jetzt in der Adventszeit allerorts Wohnungen, Häuser, Geschäfte und Arbeitsplätze. Von der langen Tradition, alles für das Weihnachtsfest entsprechend zu dekorieren, zeugen eine ganze Reihe von Objekten in den Musealen Sammlungen des Montanhistorischen Dokumentationszentrums (montan.dok), darunter ein Weihnachtsberg.

 

Frisch restauriert wurde diese um 1902 im Erzgebirge gefertigte Darstellung der Weihnachtserzählung (montan.dok 030002847000) in dem 1993 neu geschaffenen Kabinett zur „Bergmännischen Laienkunst“ in der Halle „Bergbau in der Kunst“ im Deutschen Bergbau-Museum Bochum ausgestellt. Die Einordnung in diesen Bereich deutet auf den vermuteten Entstehungszusammenhang hin. In diesem Teil der Ausstellung wurden solche Arbeiten von Bergleuten, die in deren Freizeit als so genannte Feierabendkunst gefertigt worden waren, präsentiert. Dazu gehören vor allem Kohleschnitzereien und Bilder.

 

Tatsächlich waren es im Erzgebirge vielfach die Bergleute, die Bastelarbeiten und Schnitzereien für den eigenen Gebrauch und zum Verkauf fertigten. Etwa ab dem Jahr 1820 ist hier die Herstellung von Weihnachtsbergen bezeugt. Zuerst waren es orientalische Krippenberge, dann wurde Christi Geburt in die erzgebirgische Heimat geholt, wobei Josef und die Heiligen Drei Könige selbst als Bergleute dargestellt wurden. Eine Vermischung beider Formen ist ebenfalls anzutreffen. Mit Darstellungen eines Bergwerks, wie dies schon bei einem der ältesten Weihnachtsberge, dem Cranzahler Stufenberg, der Fall ist, wird der Bezug zum Bergbau ganz unmittelbar hergestellt.

 

Elf Bergleute bei der Arbeit finden sich denn auch in dem vorgestellten Weihnachtsberg. Förderwagen werden bewegt, eine der zwei Fahrten benutzt, ein Haspel betrieben, einer der Bergleute schultert eine Schaufel und ein anderer hält das Eisen zum Schlag empor. Der Spruch „Glück Auf“ und Schlägel und Eisen als Symbol für den Bergbau zieren die Mundlöcher des Bergwerks. Die Szene nimmt gut ein Viertel der unteren der in Stufen aufgebauten Bastelei ein. In der Mitte, umgeben von Hirten, die ihre Schafe weiden lassen, findet sich die Krippe mit dem Jesuskind. Maria und Josef warten auf die nahenden Heiligen Drei Könige mit deren Geschenken. Auf dem Weg, der zur Krippe führt, befindet sich noch eine Reihe von weiteren Personen. Frauen und Männer, die Brotlaibe und Körbe mit anderen Lebensmitteln tragen, ein Jäger mit angelegtem Gewehr, zwei Mönche und vermutlich ein Torhüter in orientalischer Kleidung bereichern das Bild. Oberhalb davon erhebt sich von einer Stadtmauer umgeben eine sächsische Kleinstadt. Unterschiedlich bemalte Häuser, eine Kirche und andere Gebäude gehören zum Stadtbild. Nicht weniger als sieben der Bauten sind mit Uhren bemalt, die alle andere Zeiten anzeigen. Die Stadt ist ebenfalls mit Menschen belebt, die verschiedenen Betätigungen nachgehen. Zwei Engel ergänzen die Szenerie.

 

Die unterschiedliche Gestaltung und Bemalung der Figuren und Gebäude lässt laut Restaurierungsbericht vermuten, dass mehrere Personen an dem Weihnachtsberg tätig waren. Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts hatten sich Schnitz- und Bastelvereine im Erzgebirge gegründet, in denen die Mitglieder in ihrer Freizeit gemeinsam wirkten. Ob die Bastel- und Schnitzarbeiten am vorgestellten Berg allerdings in einem Vereinszusammenhang entstanden sind, muss reine Spekulation bleiben. Bei den Restaurierungsarbeiten wurde ebenfalls festgestellt, dass die goldene Bemalung wohl erst später hinzugefügt wurde. Zudem dürfte die Darstellung sich im Laufe der Zeit durch Umstellung und Ergänzungen von Figuren noch verändert haben.

 

Derzeit steht der Weihnachtsberg gut verpackt in einer Kiste im Depot. Nur wenige Meter entfernt davon befinden sich mehrere schmiedeeiserne Schwibbögen. Noch heute dienen solche oft aus Holz gefertigte Bögen als weihnachtliche Dekoration. Sie fehlten auch nicht bei einer über Jahre hinweg gepflegten Tradition der Weihnachtsausstellung im damaligen Bergbau-Museum Bochum. Im heutigen Informationsbereich – seinerzeit die „Ehrenhalle“ des Museums – wurden seit Ende der 1950er-Jahre „bergmännische Kunstgegenstände, die auf die Adventszeit und das Weihnachtsfest Bezug [nehmen]“, präsentiert (vgl. montan.dok/BBA 112/2233). Aus dem Jahr 1962 ist sogar eine Liste der Objekte sowie ein Plan der Aufstellung der Gegenstände überliefert (vgl. montan.dok/BBA 112/1877): Weihnachtskrippen und Weihnachtspyramiden, allerlei Schnitzereien und Bilder, Zinnleuchter und eben Schwibbögen gehörten zu den Ausstellungsobjekten.

 

Die Liste zeigt, wie reich schon damals die Musealen Sammlungen in diesem Bereich ausgestattet waren. Seither kamen immer wieder Objekte hinzu. Der erst 1993 erworbene Weihnachtsberg, der im Zusammenhang künstlerischer Freizeittätigkeit von Bergleuten den Besuchenden des Museums präsentiert wurde, hätte sicherlich gut in eine der genannten Weihnachtsausstellungen gepasst. Was nicht ist, kann ja noch werden. Bis dahin wird er sicher im montan.dok verwahrt und kann nun zumindest virtuell bestaunt werden.

 

01.12.2020 (Dr. Maria Schäpers)   

 


Literatur

Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum 030002847000

 

Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum/Bergbau-Archiv (BBA) 112/1877, 112/2233

 

o. A.: Maschinenschriftlicher Restaurierungsbericht zu montan.dok 030002847000, o.O. 1993.

 

Bachmann, Manfred: Georgius Agricola – sein Erbe in der erzgebirgischen Schnitzerei, in: Naumann, Friedrich (Hrsg.): Georgius Agricola, 500 Jahre. Wissenschaftliche Konferenz vom 25. - 27. März 1994 in Chemnitz, Freistaat Sachsen, Basel 1994, S. 437-446.

 

Mertmann, Angelika: Bergleute singen für Bergleute. Freizeitgestaltung und Laienschaffen, in: Kroker, Evelyn (Hrsg.): „Wer zahlt die Zeche?“. Plakate und Flugblätter aus dem Bergbau-Archiv Bochum. Katalog zur Ausstellung im Deutschen Bergbau-Museum Bochum 1995 (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr. 58; = Schriften des Bergbau-Archivs, Nr. 6), Bochum 1995, S. 104-107.

 

Slotta, Rainer: Die Dauerausstellungen, in: Ders. (Hrsg.): 75 Jahre Deutsches Bergbau-Museum Bochum (1930 bis 2005). Vom Wachsen und Werden eines Museums, Bd. 2, Bochum 2005 (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr. 134), S. 613-748.