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Objekt des Monats

Im Forschungsprojekt „montan.dok 21“ wird die Geschichte der Musealen Sammlungen des Montanhistorischen Dokumentationszentrums (montan.dok) weiter aufbereitet, Bestände werden erfasst und analysiert. Die Vielfalt des materiellen Bergbauerbes in unseren Sammlungen reicht dabei von der Großmaschine über die Barbarastatue, vom Firmenprospekt bis hin zur Taschenuhr als Jubiläumsgabe. Montangeschichte erzählen alle Objekte auf unterschiedliche Art und Weise.

 

Das „Objekt des Monats“ ist unser Schaufenster in diese Sammlungs- und Objektforschung. Hier beschäftigen sich die im Projekt tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler exemplarisch mit Objekten, die verschiedene Materialitäten, Branchen oder Epochen der Montangeschichte abdecken. Gleichzeitig gewähren sie damit einen Einblick in die verschiedenen Bestände des montan.dok – in das Bergbau-Archiv Bochum, die Bibliothek/Fotothek und die Musealen Sammlungen.

Grubengas und „Weltäther“: Ein Zeiss-Interferometer von 1957

Das Grubengas-Interferometer der Firma Carl Zeiss von 1957 konnte in bis dahin unbekannter Genauigkeit die Zusammensetzung von Grubengasen, insbesondere von Methan und Kohlendioxyd, messen. Bei der Entwicklung des kleinen schwarzen Kastens stand überdies ein berühmtes Experiment der Wissenschaftsgeschichte Pate, bei dem es allerdings nicht um Grubengase, sondern um die Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit ging – mit letztlich nachhaltigen Konsequenzen für unser modernes Weltbild.

Aus dem Hambacher Forst ins montan.dok: Wie kommt ein Baumhaus ins Museum?

Der Hambacher Forst liegt im Rheinland, im Südosten des größten und tiefsten europäischen Braunkohlentagebaus. Vor Beginn der Kohlenförderung war der Wald 4.100 Hektar groß, nach Angaben des Tagebaubetreibers RWE Power wurden bislang 3.900 Hektar für den Kohleabbau gerodet. Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat der Wald eine 12.000 Jahre lange Geschichte. Es gibt dort Vorkommen streng geschützter Arten wie der Bechsteinfledermaus, des Springfrosches und der Haselmaus. Diese Natur zu schützen, lag und liegt im Interesse politisch aktiver Personen, die sich aus Protest und für den Erhalt u. a. mit Baumhäusern in den Baumkronen des Hambacher Forsts Behausungen auf Zeit erschaffen. Eines dieser Baumhäuser ist nun im Bestand der Musealen Sammlungen des montan.dok. Von einer besonderen Übernahme und wechselseitigen Horizonterweiterungen erzählt das Objekt des Monats.

Kein gutes Blatt – Ein Bergbau-Quartett als werbendes Bildungsmedium

Quartettspiele gibt es seit über 150 Jahren und ihre Motive sind dementsprechend vielfältig. Ob Quartette von literarischen Zitaten, Personen aus Politik, Sport oder den Medien, Blumen, Pilzen, Märchenfiguren, Rennwagen, Zügen, Motorrädern oder Ähnlichem zusammenzuführen sind – immer geht es bei dieser Freizeitbeschäftigung nicht nur um ein spielendes Lernen. Das zeigt ein Bergbau-Quartett, das die Deutsche Kohlenbergbau-Leitung 1953 auf den Markt brachte.

Datteln IV – Mehr als nur ein Kraftwerk

Kaum ein deutsches Kraftwerk hat in den vergangenen Jahren so viel öffentliche Aufmerksamkeit erregt, wie das Steinkohlenkraftwerk Datteln IV am Dortmund-Ems-Kanal. 2020, nach mehrjähriger Verzögerung, in Betrieb gegangen, ersetzt es die 2014 stillgelegten Kraftwerksblöcke Datteln 1-3 sowie die Kraftwerke Shamrock in Herne und Gustav Knepper in Dortmund. Dass Datteln IV heute Strom erzeugt, grenzt jedoch angesichts seiner Entstehungsgeschichte fast an ein Wunder.

Der Bus zur Gesundheitsvorsorge: Das Modell des Röntgenzugs der Bergbau-Berufsgenossenschaft

Silikose – diese Krankheit ist nicht nur, aber vor allem unter Bergleuten bis heute allzu bekannt. Bis weit in das 20. Jahrhundert kostete sie zahlreiche Bergleute im deutschen Erz- und Steinkohlenbergbau Gesundheit und Leben und war die häufigste anerkannte Berufskrankheit. Darauf verweist das Modell des Auto-Röntgenzugs der Silikose-Forschungsstelle der Bergbau-Berufsgenossenschaft Bochum. Es verweist aber auch darauf, wie man dem Phänomen begegnet ist.

Wilhelm Knabe – eine deutsch-deutsche Umweltgeschichte

Wilhelm Knabe (1923-2021) war eine der bedeutenden Persönlichkeit der deutsch-deutschen Umweltgeschichte. Als Mitbegründer der Partei Die Grünen und späterer Bundestagsabgeordneter wirkte er vielfältig im In- und Ausland. Weniger bekannt ist hingegen seine Vergangenheit als Rekultivierungsexperte in der DDR. Symbolhaft steht hierfür sein Koffer, den er während seiner Flucht zum Schmuggeln seiner Unterlagen nutzte. Auf diese Weise war es ihm möglich, an seine Karriere im Osten anzuknüpfen und zu einem internationalen Fachmann für die Wiederurbarmachung im Nachbergbau zu werden.

Vom Schaden und Nutzen des Bergbaus als künstlerische Mahnung

Der Mensch ist seiner Umwelt einerseits ausgesetzt, andererseits passt er sie in seiner Geschichte immer wieder den eigenen Bedürfnissen an. Dies gilt nicht zuletzt in Bezug auf den Bergbau. Er diente zwar dem Fortschritt der Menschen durch die Nutzbarmachung von mineralischen Ressourcen. Aber diese Entwicklung hatte auch massive, zum Teil zerstörerische Auswirkungen auf Umwelt und Menschheit. Der DDR-Künstler Willi Sitte (1921-2013) thematisierte dies in seinem Gemälde „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geliehen“. Und anhand dieses Werks wird auch deutlich, warum zu den Beständen der Musealen Sammlungen des Deutschen Bergbau-Museums Bochum auch Kunstwerke wie Gemälde gehören.

Auf das Innere kommt es an

Die Stereopanoramen im Deutschen Bergbau-Museum Bochum sind seit ihrer Anschaffung eine beliebte Attraktion der Dauerausstellung. Doch was steckt hinter oder besser gesagt in den ungewöhnlichen Metallkisten? Und woher stammt Europas größte Sammlung von bergbaubezogenen Stereofotografien überhaupt?

Ein Wimmelbild des Bergbaus: Eine bergmännische Geduldflasche aus dem 19. Jahrhundert

Jeder kennt die in Glasflaschen mit viel Geduld eingebauten „Buddelschiffe“. Dass auch der Bergbau Flaschen dieser Art hervorgebracht hat, ist hingegen weit weniger bekannt. Statt Segelschiffen und anderer maritimer Szenen findet man hier die Welt unter und über Tage in liebevoll geschnitzten Bergwerken hinter Glas. Eine dieser bergmännischen so genannten Geduldflaschen stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und führt in ihrem Detailreichtum nicht zuletzt die Maschinerien und Arbeitsweisen des vorindustriellen Bergbaus anschaulich vor Augen.

Ein Taschenrechner im Dunkeln

Auf einer Konferenz der Internationalen Vereinigung bibliothekarischer Verbände und Einrichtungen im Jahre 1997 prägte Terry Kuny den Begriff des „Dunklen Zeitalters der Digitalisierung“. In seinem Vortrag äußerte er die Befürchtung, dass die Bewahrung des digitalen Kulturerbes in Gefahr sei und dringend Strategien und Richtlinien zur Erhaltung der so flüchtigen digitalen Daten entwickelt werden müssten. Ein programmierbarer Taschenrechner in den Musealen Sammlungen des Montanhistorischen Dokumentationszentrum (montan.dok) zeigt auf, wie diese digitale Vergänglichkeit Museen, Archive oder Bibliotheken auch heute noch vor große Herausforderungen stellt.